München 18.12.2011

Henning und JC – Backstage Entspannung © E. Hartsch
Ein freier Tag am Arsch der Welt. Wir stolpern in Parsdorf bei München am frühen Morgen aus dem Bus und checken ins Best Western ein. Ein bayrisches Best Western. Teuer, aber dafür auch langweilig und weit, weit draußen. Ich bin zwar hundemüde, muss aber noch in die Stadt. Ich muss dringend bei Saturn Hansa einen Adapterstecker und eine neue Speicherkarte für Stephans Sony Videokamera besorgen. Draußen ist es bitterkalt. Meine Zähne klappern, als ich an der Haltestelle stehe und auf den Bus warte, der mich zur S-Bahn fahren soll. Was für eine umständliche Geschichte. Die S2 fährt mich bis zum Karlsplatz. Schnapsidee.

Jeden Showtag 100 Stck. Stephan beim Signieren der neuen DVD © E. Hartsch
Der letzte Samstag vor Weihnachten. Saturn Hansa in der Münchner Innenstadt. Wow. Der rot/weiße Weihnachtsterror hat eine neue Dimension angenommen. An jeder Kasse stehen 30 Leute in der Schlange. Und mittendrin ich mit meiner kleinen Speicherkarte und dem Adapterstecker. Meine Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Draußen Weihnachtsmarkt. Ich glaube jetzt fest daran, dass die Leute in Deutschland übergenschnappt sind. Eine Tasse mit billigem Glühwein aus dem Tetrapack (aufgewärmt) kostet – Achtung: 4,50 € PLUS 5,–€ Tassenpfand. Alter Schwede. 5 Euro Tassenpfand für so eine hässliche Dreckstasse aus billigem Porzellan, wahrscheinlich in China von Kindern gebrannt und 30 Cent wert im Einkauf? 5 Euro? Sind die Leute noch ganz dicht? Steffen vom Merchandise bestellt zwei Glühwein und muss dafür 19 Euro hinlegen. Ha, ha, ha…. das ist ja zu geil. 19 Euro für zwei Scheiß-Glühweine. Das mit dem Pfand machen die natürlich extra, schwer hoffend, dass Du entweder a) zu besoffen bist die Tasse zurückzubringen oder b.) das billige Teil irgendwann fallen lässt oder es c) einfach vergisst. Wer da noch mitspielt ist selbst Schuld. Ich kämpfe mich durch die Menschenmassen und suche die S2, die mich zurück nach Parsdorf bringen wird.

Hübsches Licht im Kesselhaus © E. Hartsch
Am Abend bin ich so müde, dass ich gegen 7 bei laufendem Fernseher einpenne. Abfahrt am nächsten Morgen um 9:15. Der Spandauer muss 49 Euro für eine Ladung gewaschene Wäsche im Best Western hinlegen und bekommt dafür verfärbte Socken zurück. Wir fahren zum Kesselhaus, gleich neben der Zenith Halle unweit der Arroganz Arena. Eine tolle Venue, eine schöne alte renovierte Fabrikhalle, in der einmal schwerste Stahlrahmen konstruiert wurden und in der sich einstmals die Konzernchefs der Krupp Werke mit der Rüstungsindustrie für den ersten Weltkrieg beschäftigten. Heute gibt´s hier Punkrock.

Dirk Czuya live in München © E. Hartsch
Der Backstagebereich in einer angrenzenden Halle ist riesig. Pool Table, Kicker, Ledersofas und jede Menge Platz. Ich schieße hier heute am Nachmittag das obligatorische Crew-Foto. Gar nicht so leicht, alle Schäfchen zusammenzubekommen. Peter Maffay wollte heute eigentlich kommen und „Hallo“ sagen, schafft´s aber nicht, weil er bei einem anderen Termin in München hängenbleibt. Genug Zeit für mich also, mal die Eschis für Euch zu befragen, wie es ihnen denn so bis jetzt gefallen hat.

Henning Menke quält seinen Bass © E. Hartsch
Philip Eschenbach
Vom Gefühl her muss ich sagen, gefällt´s mir besser als beim letzten Mal, wo es größer war, als auf dieser Tour. Wir merken, wie offen und wie herzlich die Leute zu uns sind. Wir hatten zwar auf der letzten Tour auch ein sehr positives Feedback, aber das kommt mir hier doch weitaus intensiver vor.
Auch am Merchandisestand nach den Shows, gehen die Leute auf uns zu und sprechen mit uns. Ich hätte auch während der Konzerte viel mehr Weidner-Rufe erwartet. Aber die Leute sind wirklich sehr freundlich.
Edmund Hartsch
Das siehst Du auch so Riitchy?
Riitchy Schwarz
Ja, das sehe ich auch so. Ich bin halt nicht so gut reingekommen. Also jetzt am Anfang hatte ich stimmlich Probleme.
EH
Woran lag´s?
RS
Die Proben waren sehr eng. Die Versorgungslage im Bus war nicht so toll, keine Heizung. Die war kaputt. Dann habe ich noch den Fehler gemacht und mich draußen in der Kälte aufgehalten und aufgewärmt.
Das letzte Konzert war für mich eigentlich das schlimmste von allen, obwohl das Publikum das beste war. Da war ich einen Tag vorher in der Sauna, das hat´s dann mit der Stimme noch schlimmer gemacht.
EH
Keine gute Idee.
RS
Nee. Ich Vollidiot. Aber jetzt habe ich mich schon fast erholt und die letzten drei Shows packe ich jetzt auch noch. Außerdem ist, wie Philip schon sagte, das Publikum total geil. Keiner hat mich kritisiert, keiner hat mich ausgepfiffen. Super.
EH
Ich war auf der letzten Tour ja nicht dabei. Du sagtest, die Hallen waren größer?
PE
Die Hallen waren riesig. Da kam ja noch am die Dortmunder Westfalenhalle dazu. Da war am Anfang beim ersten Teil der Tour ja noch Motorjesus dabei. Wir kamen dann später dazu und mussten dann gleich aus dem Nichts so ein Riesending vor 8000 Leuten spielen und danach war´s dann aber auch gleich wieder vorbei. Ein wahnsinniges Erlebnis. Da waren dann solche Geräte wie Salzburg Arena oder Frankfurter Ballsporthalle dabei. Aber wie schon gesagt, die Leute waren auf beiden Tourneen überraschend nett zu uns, haben uns mit offenen Armen aufgenommen, und das haben wir echt nicht erwartet.
Und man darf nicht vergessen, dass der Stephan mit Motorjesus am Anfang auch eine Mörder-Vorgruppe dabei hatte, ja? Die Jungs waren der Hammer. Da hast Du´s dann auch schwer. Aber egal. Alle waren cool zu uns. Die ganze Crew, Stephan war supernett zu uns gewesen.
EH
Ihr habt jetzt noch den Martin und den Felix dabei. Als Verstärkung? Waren die auf der letzten Tour auch schon dabei?
PE
Nee, da war noch der Paul dabei, ein guter Freund von mir, dessen Frau aber jetzt ein Kind bekommen hat und der noch Backliner bei BossHoss macht. Wir haben uns freundschaftlich trennen müssen. Der war auch jetzt in Berlin bei einer Show von uns zu Besuch. Und der Guido ist auch nicht mehr dabei. Seine Frau hat auch ein Kind bekommen und der musste bei der Familie bleiben. Dafür ist jetzt der Martin eingesprungen. Mit dem mache ich ja schon seit 20 Jahren Mucke, den kenne ich schon ewig. Wir haben schon sehr viel zusammen gemacht. Und der Felix ist ein sehr lieber Freund aus Berlin, den wir über den Paul kenne, der auch selber produziert und mit dem wir auch schon oft gespielt haben. Wir hatten zwar wenige Tage zum Proben, aber da wir uns schon alle so lange kennen, sind wir recht flott reingekommen. Halle und dann Magdeburg und dann ging´s auch schon ganz gut. Die neue Platte allerdings, haben wir nur zu dritt eingespielt. Der Nils, der Riitchy und ich.
EH
Mit Stephan in Frankfurt und auf Ibiza. Wie war das?
PE
Ein Traum. Der absolute Hammer. Allein schon Frankfurt, das Studio. Wenn man da so wiederreingeht und mit der Produktion anfängt. Man weiß schon mehr und kennt schon mehr als beim ersten Mal, ja? Die Songs standen besser, wir waren besser vorbereitet. Da war also Bass und Schlagzeug in Frankfurt schon traumhaft, aber Ibiza war dann natürlich der absolute Hammer. Dort in privater Atmosphäre aufnehmen zu können, war großartig. Ur-gemütlich, Stephan in Bestlaune. Der war auch selber an den Reglern am Mischpult. Also ehrlich, ich hatte noch nie so einen angenehmen Studioaufenthalt. Der Micha, den wir mittlerweile auch gut kennen, war total gut drauf und entspannt. Es hätte nicht besser laufen können.
EH
Freut mich sehr für Euch. Also noch drei Shows und dann sind wir durch mit dieser Tour. Ihr müsst gleich auf die Bühne, viel Glück.
PE
Ja, danke Dir. Ich wollte noch sagen, für alle, die das hier lesen, wir sind nach jeder Show noch am Merchandisestand und verteilen unsere kostenlosen Promos, quatschen mit den Leuten und geben Autogramme. Unser zweites Album „Alles in Allem“ kommt Mitte Januar raus und wir sind sehr gespannt, wie es den Leuten gefallen wird. Und hoffentlich gehen wir danach mit dem neuen Material auf Tour. Danke Mann.
EH
Danke Dir für Deine Zeit.
Ab gehen sie. Auf die Bühne und rocken ihre 8te Show auf dieser Tour. Die sind auf einem guten Wege, die Eschenbacher. Ich wünsche ihnen auf alle Fälle alles gute und viel Erfolg.
Stephan, JC, Henning und Dirk singen sich wie gewohnt warm. In ihrer Garderobe und müssen um kurz vor 9 durch den Schneesturm in die Kesselhalle. Viele Leute, die auch schon in Nürnberg dabei waren.

Weidner hatte seine Leute im Griff © E. Hartsch
Irgendwie haben wir heute Abend schon wieder ein Security Leck und so strömen plötzlich gut 30 bis 40 Fans in den Backstagebereich, werden alle gleichzeitig vom W. wie von einem Magneten angezogen und sorgen für eine ziemliche Hektik. Gottseidank sieht der Künstler das gelassen, schreibt Autogramme, bis die Hände schmerzen und steht für unzählige Fotos zur Verfügung. Geil, wie die Leute plötzlich die Funktionsweise ihrer Kamera vergessen, wenn´s schnell gehen muss und stets mit den falschen Knöpfen hantieren. „Moment, gleich hab ich´s!“

JC – Kesselhaus – Awesome!! © E. Hartsch
Ich hab´s jetzt auch. Es ist spät, bzw. schon wieder früh. Wir sind unterwegs nach Neu Isenburg. Ein schneller Gig zu Hause und dann zur letzten Show nach Oberhausen.
Wie hören voneinander
Gruss
ED