Zum Spiegel Interview:
Da sich meine Erwartungen in dieses Interview in Grenzen hielten, löst das Ergebnis nicht viel in mir aus. Zu oft habe ich solcherlei Erfahrungen gemacht, als dass der Artikel mir mehr als ein Kopfschütteln abringt. Ein paar interessante Dinge zum „warum“ und „wie“ habe ich aber dennoch zu berichten. Und was zum Schmunzeln gibt es auch. Ich versuche, mich so kurz wie möglich zu fassen, allein schon deshalb, weil dieses Thema nicht mehr Zeit verdient. Ich habe mich auf dieses Interview nur deshalb eingelassen, weil mir versichert wurde, dass ich den Artikel autorisieren kann, wir die Bildauswahl treffen, und ohne meine Einwilligung nichts veröffentlicht wird. Mir wurde versprochen, dass wir über mein neues Album und dessen Inhalt sprechen, aber auch, und das ist klar wenn man mit dem Spiegel spricht, meine Onkelz-Vergangenheit thematisiert wird. Die Gewichtung sollte in etwa 50/50 betragen. Klar kann man sich fragen, ob ein solches Interview überhaupt Sinn macht. Ich war der Meinung: Nein. Ich war skeptisch, ob ein Magazin wie der Spiegel in irgendeiner Form in Lage ist, die eigene Position zu reflektieren und gewillt ist, objektiv zu berichten. Warum sollte plötzlich alles anders sein? Ich habe mich in vielen Gesprächen überzeugen lassen, dass es unter den oben beschriebenen Umständen kein Risiko gäbe und man die „einmalige“ Chance nutzen sollte, ein paar aufklärende Worte zu sprechen. Wir einigten uns darauf, der Presse ihre „zweite“ Chance zu geben. Hierbei von einer „zweiten“ Chance zu reden ist eigentlich Zahlenquälerei. Ich blieb also skeptisch, der Spiegel aber, einmal Lunte gerochen, ließ nicht locker und schaffte es schließlich, mit vielen Zugeständnissen ihrerseits, dass wir zusagten. Der Vorwurf der Naivität ist in diesem Fall ausdrücklich erlaubt. Spätesten bei Philipp Oehmkes schleimigen Versuch, sich mit den Worten „Frankreich 84“ stehe bei ihm im Plattenschrank, Sympathien zu verschaffen, hätten bei uns die Alarmglocken angehen müssen. Ich weiß nicht was ihn damals davor bewahrt hat im hohen Bogen aus der Studiotür zu fliegen. Im nachhinein glaube ich, dass er es den Beteuerungen der Medien-Söldner zu verdanken hatte, die für ihn gebürgt hatten. Das zum Vorgeplänkel.
Es wunderte mich nicht, dass die erste Fassung des Interviews nicht mal annähernd akzeptabel war. Nicht mal diskussionswürdig das Teil. „Rechts“, „Rechtsrock“, „Gewalt“ und „Zensierte Platten“. Alles schon mal gelesen und das sogar besser. Da hat jemand mal wieder nichts verstanden oder verstehen dürfen. Welches Jahr haben wir? 2008? Egal, es war den Versuch wert und ich habe dem Rat meiner Freunde Folge geleistet und entgegen meiner sonst so sturen Haltung der Presse gegenüber mit dem Spiegel geredet. Das war’s – kein Interview im Spiegel!! Der arme Eddy! Überbringer meiner Entscheidung und Emotionspuffer in Menschengestalt musste sich dann das Geheule von Oehmke und Co. antun. Taktisch klug vom Spiegel-Agenten vorbereitet kam das Interview einen Tag vor Druckschluss/Trugschluss zum Gegenlesen bei uns an. Absage? Wie jetzt? Man habe den Platz fest geblockt – was nun? Man wolle das Interview unbedingt und außerdem ist es doch so toll geworden, man wolle aber seitens des Spiegels noch mal nachbessern und, und, und…
Kurz und knapp – auch Teil 2 war große Scheiße! Absage zweiter Teil!
Und ist er nicht willig… oder, jetzt wird es lustig!
Der Spiegel - ganz trotzig und böse Menschen könnten meinen erpresserisch-: Dann schreiben wir eben trotzdem über den bösen Proll W. Und besser, so mussten wir zumindest befürchten, wird’s bestimmt nicht. „Na und, sollen sie sich was aus den Fingen saugen die Deppen“, war meine Antwort.
Das wollte der Spiegel-Mann aus Gründen, die ich nicht kenne, dann doch nicht. Und jetzt kommt’s! Tata und Tusch! Panik? Hilflosigkeit? Wir dürfen das Interview selbst schreiben!?! Häh? Hat es geschellt? Hat es das im Spiegel schon mal gegeben? Ich hab schon viel erlebt, aber selbst einen Text für den Spiegel schreiben zu dürfen, dafür reichte selbst meine Fantasie nicht aus. Trotzdem ein verlockendes Angebot und gerne genommen. Die Verlockung, mich über den grünen Klee zu loben war groß, aber erschien sogar meiner W-nigkeit zu dreist. Also haben wir die fiesen und ironischen Fragen des Spiegels übernommen und nur dezent an den Antworten gearbeitet. So hätte es gehen können. Immer noch nicht 100% das, was ich gerne gelesen hätte, aber zumindest Spiegel gerecht. Klar - das Ergebnis war der Spiegel Redaktion nicht genehm und im Gegenzug durfte der Autor wieder an den Fragen schrauben und stark kürzen. So ging der Text noch 2, 3 Mal hin und her und wir einigten uns letztendlich auf den Artikel, den ihr im Spiegel lesen konntet. Na, ja fast…
Oehmke und Konsorten haben es sich nicht nehmen lassen noch mal ne Schippe draufzulegen und Bilder zu nehmen, die natürlich nicht mit uns abgestimmt waren. Mit den zynischen Bildunterschriften bewies der Spiegel sogar Bild-Zeitungs-Qualität. Halten wir zum Schluss noch fest, dass der finale Text nicht von mir autorisiert wurde. Aber was soll’s? Ist doch ne lustige Geschichte und ein weiteres „Noch-nie-dagewesen“ Erlebnis. Danke!
Was dabei rausgekommen wäre, wenn Herr Oehmke sich den Artikel gleich zu beginn hätte aus den Fingen saugen müssen, könnt ihr im kleinen „Nachtreten“ Oehmkes auf Spiegel Online nachlesen. Viel Spaß!
Stephan