Archive for April, 2009

Der W im Radio

27.04.2009

Diskutiert doch hier schonmal weiter…

25.04. - Göttingen, Stadthalle

27.04.2009

Wie gestern schon gesagt: Wow, Göttingen. Stephan erhob das Konzert in der Stadthalle gestern in den Stand einer “Top2″-Show und es gibt Stimmen, die beschwören, gestern das beste Konzert der Tour gesehen zu haben. Und ich gehöre dazu.Ich weiß garnicht mehr, wo es war, aber im Rahmen einer der letzten Shows - vermutlich war es während der feucht-fröhlichen Runde in Bremen - wurde die Idee geboren, in Frankfurt nochmal einen drauf zu setzen und mit einer schönen Überraschung aufzuwarten. Und ich lasse jetzt mal alle Geheimniskrämerei fahren, weil gestern ein paar eifrige Handyfilmer die Livepremiere dieses Bonbons schon wieder mitgeschnitten haben. Es war also so: Stephan erzählte seinerzeit unseren D-A-D Freunden von der Idee, deren Hit “Sleeping my day away” als Covernummer in seinem Set unterzubringen, wovon man dann aber schnell wieder Abstand nahm, weil es - wie gesagt - ja deren Hit ist und es eigentlich uncool gewesen wäre. Aber: Anstatt ihn darin zu bestärken, dass es eine richtige Entscheidung gewesen wäre, sagten die Binzer-Brüder, dass sie überhaupt keinen Stress damit hätten, die Nummer raus zu lassen, im Gegenteil: Kennt ja eh keiner und würde dementsprechend bei ihnen auch nicht vermisst werden. Und so ging die Spinnerei weiter und gestern um 15 Uhr konnten wir das famose Ergebnis der Diskussion bewundern: Nicht vier Musiker +W sondern zwei Basser, zwei Sänger, drei Gitarristen und zwei Drummer standen auf der Bühne, um den Song zu proben. Ihr könnt euch vorstellen, was da los war. Welch ein Spaß und das Ergebnis mit drei Solo-Gitarristen spottet jeder Beschreibung. Diese Nun-nicht-mehr Überraschung wird euch morgen zum Durchdrehen bringen, ich verspreche es. Und für Stephan war es etwas ganz besonderes, das könnt ihr mir glauben.Nehmen wir es vorweg: Das Big Band-Projekt war das Sahnehäubchen auf einem berauschenden Gig, durch den sich nicht nur “Stephan Weidner”-Chöre sondern auch Momente der weidnerschen Sprachlosigkeit zogen. Und ein Moment der Stille sagt manchmal weit mehr über die Atmosphäre während der Show aus, als 20 Minuten Rausch. Es war schlicht ein perfekter Abend, an dem auch die Möchtegern-Spielverderber der AntiFa nichts kritteln konnten. Die haben es nur geschafft, durch einen Anruf bei den lokalen Grün-Weißen mit dem Hinweis, dass in der Stadthalle “nationalsozialistisches Gedankengut” verbreitet werde. Ganz genau… Und auch die Lokalschreiber des Göttinger Tageblatts waren wir mir zugetragen wurde etwas eingeschnappt auf meine Ansage hin, dass auf dieser Tour nur Fachpresse akkreditiert werde. Das konterten sie mit einem aus WIkipedia-Zitaten zusammen gedengelten Kurzartikel und garstigen Kommentaren als Reaktion auf Leserpost. Nimmt man dies als Indikator war es mal wieder eine goldrichtige Entscheidung, dem Redakteur + seine Begleitung (!) + Photograph den Familienausflug zu vermiesen. Echt nicht, vielen Dank.Da wir erst heute um zwei ins Hotel konnten, mussten die Busse vor der Halle stehen bleiben, was in Bushopping, Frauengeschichten, Chaos und viel Alkohol endete. Endlich mal. Das Finale der Niedersachsen-Tour mit vielen Lachern, mehr Bier und angemessener Huldigung der Küchencrew von Stage Culinarium, die hier die gesamte Tour über einen großartigen Job abgeliefert haben. Im Namen der Crew deshalb: Dank an Dominik, Christian und Florian für hervorragende Verpflegung quasi rund um die Uhr.Auf ins letzte Gefecht.

24.04. - Hannover, Capitol

25.04.2009

Gute Nachricht: Der Balkon hielt und hat gar nicht so schlimm gewippt wie seinerzeit. Vielleicht haben sie hier zwischenzeitlich die Sicherungsbolzen eingezogen, die man in Osnabrück vergessen hatte.So, während ich hier in Göttingen sitze und mich frage, ob sich der Fahrer verfahren hat, weil es hier genauso aussieht wie in Saarbrücken, muss ein Bericht zu Hannover her. Und es ist schwer, denn irgendwie gibt es widerstrebende Meinungen zum gestrigen Abend. Stephan war vor dem Konzert trotz der anhaltenden stimmlichen Angeschlagenheit, von der er sich allerdings nicht unterkriegen lässt, guter Dinge und vor allem von diversen Berlin-Ausritten bestens erholt und ausgeschlafen. Und während der Innenraum gerockt hat wie Hölle und noch das Pogo-Inferno von Berlin toppen konnte, kamen die Damen und Herren auf dem Rang nicht so recht aus dem Quark, zumindest anfänglich. Besonders Spaß gemacht zu beobachten hat mir ein Pärchen in der ersten Reihe oben, die so dermaßen desinteressiert aussahen, als ob sie sich in der Veranstaltung geirrt hatten. Und das, obwohl beide in vollem Weidner-Ornat aufgelaufen sind. Kein Gesang, kein Applaus und noch nichtmal den Blick zur Bühne gerichtet, sondern meistens aufs Handy-Display. Ein klares Votum, da bleiben auf der nächsten Tour wohl zwei Plätze frei in Hannover. Nunja, auch kritische Meinungsäußerungen durch Unterlassung werden toleriert und in die Gesamtbetrachtung eingearbeitet. Stephan selbst erlebte sowas wie sein persönliches Technik-Waterloo, wovon beim Publikum nicht viel ankam, aber ihm die Show ein bisschen verleidet hat. Im Kreise der Band, die ihren persönlichen Tiefpunkt im Norden hatte, hieß es “das war also dein Bremen”. Aber es zeugt von Qualität, dass die Show dadurch kaum merklich beeinträchtigt wurde. Und auch der breiteste Graben der Tour bot kritisches Potenzial, aber nur intern. Oder hat jemand was gemerkt? Jedenfalls können wir hinter Hannover wieder mal einen Haken machen, denn das war nicht das letzte mal, dass hier konzertiert wurde. Und doch: Es ist auf dieser Tour etwas eigenartig, denn die eigentlichen Hochburgen können den Erwartungen bisher nicht ganz standhalten. Oder sagen wir: Sie können den Erwartungen standhalten, während die anderen Städte durch die Decke schießen. Seien wir ehrlich: Wer hätte denn noch vor einem Monat erwartet, dass Saarbrücken, Osnabrück und Göttingen (das gerade völlig durchdreht) das Feld stimmungstechnisch anführen werden? Es macht jedenfalls nach wie vor Spaß…Zitat des Abends (geliefert im Gespräch zwischen einem Gast der anschließend im benachbarten Gebäude stattfindenden Disco und unserem Mercher Mirko):- “Wo issen der Bus von D-A-D?”- “Wieso?”- “Meine Frau ist noch drin!”Rock´n´ähem… Roll!Und mit einem gemütlichen DVD-Abend inklusive Bierchen ließ es die Bandbus-Besatzung ruhig ausklingen. Und dies ist definitiv nicht das Motto dieser Tage, denn mit ausklingen ist nix. Es wird durchgezogen bis zum Schluss. Und ein Hinweis an Göttingen und Frankfurt: Es erwartet euch eine nette Überraschung.Noch ein kritisches Wort zum Abschluss. Im Gegensatz zu Stephan bin ich der Meinung, dass die “Signatur der modernen Welt” nicht die Depression und die Angst, sondern der hemmungs- und besinnungslose Vollsuff ist. So viele Alkleichen schon vor und während der Konzerte, habe ich glaube ich noch nie erlebt, wie dieser Tage. Ich frage mich ernsthaft, woran das liegt und wer außer den örtlichen Gastronomen etwas davon hat. Ich werde und will es nicht verstehen…

25.04.2009

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23.04. – Berlin, Columbiahalle

24.04.2009

Heimspiele muss man gewinnen, um Meister zu werden - die sogenannten big-points. Berlin gestern Abend war ein Heimspiel für mich und für die meisten anderen angereisten Fans und ich denke, dass wir definitiv die Sympathiepunkte in Berlin gehalten haben. Aber der Reihe nach.

Über die U6 bis zur Station „Platz der Luftbrücke“ und dann eingebogen in den Columbiadamm, komme ich gegen 17:00 Uhr an der Columbiahalle an. Der Columbiadamm wird flankiert vom Deutschen Wetterdienst zur Linken und vom, mittlerweile geschlossenen, Flughafen Tempelhof.
Ein geschichtsträchtiger Ort an dem von 1948-1949 der Transport von Verpflegung und Gütern von westdeutschen Städten nach Berlin gesichert wurde. Legendär die „Rosinenbomber“, die Süßigkeiten während des Anflugs auf Tempelhof abwarfen. Ebenfalls gegenüber der Columbiahalle findet sich die Zentrale der Berliner Polizei und dem Landeskriminalamt, die vor und nach dem Konzert die Straße einspurig machten und diverse Autofahrer kontrollierten. Man munkelt, dass der Ein oder Andere auch auf ein Autogramm aus war.

Vor der Halle befinden sich gegen 17:15 Uhr bereits ca. 100 Fans, die lautstark zu Songs wie „Geschichtenhasser“ singen und jeder dazukommende Fan, wird direkt in den Chor übernommen.
Ein schönes und vertrautes Bild. Einige W-infizierte fotografieren jeden an- und abfahrenden Wagen, der auf den Hof der Halle einbiegt und bemerken dabei gar nicht, dass soeben Jesper Binzer, seines Zeichens D:A:D Frontmann, über den gesamten Columbiadamm spaziert und schließlich in der Halle verschwindet.

Kurz danach werde ich von Till abgeholt und wir begeben uns zusammen auf das Gelände, wo bereits reges Treiben der Crew herrscht. Nach diversen Gesprächen hier und da, machen wir einen Zwischenstopp im Tourbus und ich beginne das Ganze auf mich wirken zu lassen. Um halb acht endet Till´s Rundgang. Gleich beginnt das Konzert, also ab in die Halle.
Die Columbiahalle umfasst mit dem gesamten Areal ca. 7800qm und bietet 3500 Menschen Platz. Im Jahre 1998 wurde sie neu eröffnet und bietet im unteren Teil einen relativ hindernisfreien Bereich, wo diesmal auch der komplette und sehr ansehnliche Merchandise-Stand aufgebaut werden konnte. Darüber ist u-förmig ein Oberring platziert, der der ganzen Location ein bisschen Theaterflair vermittelt. Über eine Treppe gelange ich auf den Balkon – es ist kurz vor 20:00 Uhr. Anstoßzeit. Zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass das gesamte Konzert in Berlin für die Tour-DVD mit Kameras aufgezeichnet wurde. Berlin – ab dafür!

Um Punkt acht betritt Stephan die Bühne und kündigt die vier Kopenhagener Jungs von D:A:D an und kurze Zeit später betreten Jasper, Jacob Binzer, Stig Pedersen und Laust Sonne die Bühne und ich habe das Gefühl, dass es direkt 5 Grad wärmer wird in der Halle. Als Opener fungiert „Isn´t that wild“ und ja, es ist verdammt wild, was D:A:D da auf die Bretter und durch die Membranen jagen. Ein Hit löst den Nächsten ab und mein rechter Fuß kommt aus dem Wippen nicht mehr raus. Das Publikum honoriert das immer wieder mit lautstarkem Beifall. Ein weiteres Highlight bildet „Beautiful together“ vom aktuellen Album. In typischer Joe-Cocker-Fingermanier zelebriert Jasper jeden einzelnen Song und gräbt sich tief in die Gehörgänge und Stig überrascht nach jedem Lied mit einem neuen handgefertigten skurielen Bass. Mit „Sleeping my day away“ stimmen die Dänen einen Evergreen an, der es absolut in sich hat. Jedes Solo wird gefeiert, es wird gepogt und nach dem letzten Titel „Monster Philosophy“, der auch gleichzeitig den Namen des aktuellen Albums trägt, hört man die ersten D:A:D Rufe. Herrlich. Was die vier Dänen abgeliefert haben, war mehr als nur ein Vorspiel. Es war der unumstößliche Beweis, dass D:A:D rocken und das Publikum an sich reißen kann, auch wenn man sie vorher noch nie gehört hat. Mit Beifall verabschiedet Berlin, D:A:D!

Nach zwanzig minütiger Umbaupause, wird die Halle plötzlich dunkel und die Bühne erscheint in blauem Licht. Die Band betritt die Bretter und spätestens als die ersten Noten von „Der W – Zwo- Drei“ erklingen, ist Berlin aus dem Häuschen. Stephan schnappt sich sein Mikro und bringt die ganze Halle zum Beben. Und obwohl das Konzert in Berlin mittlerweile das 25. inklusive der Secretshows ist, merkt man ihm keine Ermüdung an und jeder Text wird in passenden Gesten und Ansagen gehüllt und danach direkt an das Publikum weiter gegeben. Man merkt, dass die Band bereits „Bergfest“ der Tour hatte, denn alles sitzt und klingt rund. Jede Geste, jeder Laufweg scheint mittlerweile klar zu sein. Stephan begrüßt Berlin und Berlin begrüßt Stephan. Als ein echter Geheimtipp der Tour erweist sich auch auf dem Konzert in Berlin der Song „Schatten“. Die 3500 Stimmen singen den Refrain und der gesamte untere Bereich befindet sich in Bewegung. Textsicher wird jede einzelne Zeile im Wettkampf gegen die P.A. zurück in Richtung Bühne geschrien.

Ein weiteres Highlight ist der Song „Zwischen Traum und Paralyse“, der von einer emotionalen Ansage Stephans angekündigt wird. Dieses Lied, sowie „Tränenmeer“, „Asche zu Asche“ und „Angst“ wurden auf diesem Konzert in Berlin zum ersten Mal von realen Streichern begleitet. Hierzu wurden die jungen Damen mit ihren Instrumenten auf einen fahrbaren Podest platziert und bei den Songs zur Band auf die Bühne geschoben. Ein Erlebnis, wie es sich nur schlecht in Worte fassen lässt. Gerade die 4 Songs waren von Emotionen und Gefühlen geprägt, die ich im Folgenden zusammenfassend beschreiben möchte.
Als die ersten Noten von „Zwischen Traum und Paralyse“ angestimmt werden, bekam ich direkt Gänsehaut am gesamten Körper. Ich konnte von oben in die Gesichter der Leute sehen. Einige lagen sich im Arm, andere schlossen die Augen und sangen jeden einzelne Zeile mit, als würde sie sich gerade selbst therapieren. Ohne, dass ich eine Person da unten kannte, so spürte ich doch, dass jeder von ihnen seine persönliche Geschichte in die Zeilen interpretierte. Dieses Bild setzte sich auch beim Song „Ein Lied für meinen Sohn“ fort. Auch hier konnte ich das Strahlen in vielen Augen von Vätern sehen, die sich abermals in den Armen lagen und wahrscheinlich in genau diesem Moment an ihre Kinder zu Hause dachten. Und genau das ist es, was ein Konzert vom W ausmacht. Es sind die Gefühle und Emotionen, die jeder einzelne dabei fühlt, wenn Stephan sein Innerstes über Texte und Musik nach außen bringt. Es ist eine emotionale Verbundenheit, wo du deinen Konzertnachbarn in den Arm nehmen kannst und weißt, dass er in diesem Moment genau das gleiche fühlt wie du. Bei sowas bekomme ich regelmäßig Gänsehaut und weiche Knie. Sehr geil, Berlin!

Nicht unerwähnt möchte ich die rockigen Nummern „Stille Tage im Klischee“, „Mein bester Feind“, „Heiss“, „Gewinnen kann jeder“ und, für mich ein absolutes Brett, den Toleranzsong „Komm schon“ lassen, die auf der ganzen Linie überzeugten und mit ausgelassenem Pogo im Kessel honoriert wurden. Dazwischen immer wieder „Stephan Weidner“ rufe, die auch Stephan nicht unberührt lassen und der mittlerweile fest integrierte Titel „Seven Nation Army“ der White Stripes, bei dem 3500 Kehlen JC beim Singen mit „Ohh-Ohhhohohohohoooo“. Einfach nur klasse.

Im Zugabenblock geht es nochmal richtig bei „Geschichtenhasser“ zur Sache. Berlin pogt nochmal das Letzte aus sich heraus um danach wieder etwas zu entspannen. Klassisch mit Hut und Schal, wird „Mein W“ vorgetragen und ebenfalls wirklich überzeugend kommt „Pass gut auf dich auf“ in der rockigen Variante daher. Stephan ist noch immer gesanglich absolut kräftig dabei und auch sein Einsatz lässt bis zum Schluss nicht nach – immer wieder treibt und fordert er das Publikum an.

Mit „Dancing with myself“ von Generation X, wird Berlin gebührend verabschiedet und nachdem die letzte Note von Rupert und Dirk verhallt ist, bedankt sich die komplette Band, die einen absolut sauberen Abend hingelegt hat, mit einer Verbeugung vor Berlin.
Stephan springt noch einmal in den Graben, klatscht ab, umarmt und gibt einem kleinen Kind auf den Schultern eines Erwachsenen ein Autogramm. Das sah verdammt schön aus von oben.

Langsam aber sicher wird die Halle geräumt und ich konstertiere: Ein verdammt gelungener Abend, mit guter Stimmung, sauberen Sound, spielfreudiger Band, und einer würdigen Kulisse für die Tour-DVD.
Vor der Halle bleibe ich noch etwas stehen und lausche den Einschätzungen der anderen Zuschauer, die allesamt gut gelaunt den Heimweg antraten. Durchweg positive Äußerungen waren dort zu hören.

Danach trete ich selbst zufrieden mit latentem Ostseerauschen im Ohr in Richtung Heimat an. Das war verdammt heiß Berlin – Et hat mir jefallen!

Ich gebe weiter an Till nach Hannover.

Beste Grüße,
Marco Matthes

22.04. - Hamburg, Große Freiheit 36

23.04.2009

Nach der beinahe schon klinischen Kiel-Show (wir berichteten) war Hamburg da schon eine ganz andere Marke. Zunächst mal: Die Große Freiheit ist eine Konzertlocation von altem Schrot und Korn. Mit viel Holz, einer geschwungenen Empore und einem unterirdischen Backstage der Marke Heizungskeller einer Jugendherberge. Kategorie: “Hier warn sie alle”. Direkt an der Reeperbahn gelegen, in unmittelbarer Nähe zum Café Keese, in dem seinerzeit die legendäre Abschlussparty der ebenso legendären Adios-Tour stattfand, war also mal wieder sowas wie Rock´n´Roll angesagt. Derbyfieber und Weidnerfieber an einem Tag, wie viel Fieber kann Hamburg vertragen? Nimmt man die Reaktionen der zahlreichen Weidner-Gäste nach dem Elfmeterschießen in der AOL-Arena als Referenz, war es ein bisschen zu viel - zumindest in der Kombination.

Aber der Reihe nach. Der Tag brachte nicht nur eine nachmittägliche Sintflut, sondern auch für die Produktionsleitung einige wichtige Meetings, die hier elegant in den Produktionsablauf eingebettet werden. Kein Problem, weil durch die im Vorfeld penibel und umsichtig geleistete Arbeit vor Ort kaum noch nennenswerte Probleme auftreten. Okay, ein paar Merchgangster hier, ein bisschen nachjustieren bei der örtlichen Security dort, aber im Grunde steht alles wie eine eins und man kann entspannt jedem Tag entgegen sehen. Stefan, willst du deinen Namen hier lesen? Verdient wäre es in jedem Fall, denn das jeden Tag jeder Musiker genügend Handtücher zur Verfügung, die Köche den passenden Strom und die Mitarbeiter den nötigen Druck haben, liegt in der Verantwortung von Stefan K… Stefan, darf ich deinen Namen sagen? Ne, ich warte auf das offizielle okay. Nun, die Tour neigt sich dem Ende zu und manch einer wird sagen: Zum Glück. Klar, die Woge wogt noch und der Rückenwind ist noch immens, weil es immernoch viele gibt, die auch dieser Tage noch ihr erstes Weidner-Konzert erleben, aber man beginnt unweigerlich, die Tage runter zu zählen. Und trotzdem: 100% Einsatz.

Mehr als 100% Körpereinsatz lieferte eine junge Frau, die dem Geburtstagskind André von der Produktion spendiert wurde. Tanzdarbietung vor versammelter Mannschaft inklusive Gassiführen am Ledergürtel, Créme und Wachs. Ein unvergesslicher Geburtstag, das steht fest. Die Crew war da, D-A-D und ein paar Gäste. Ein paar herzhafte Lacher auf Kosten des Geburtstagskindes. Herrlich. D-A-D retteten die Stimmung in den Abend, spielten ihren Fast-Heimvorteil aus und entlockten dem hüftsteifen Hamburg einige Wohlgefallensbekundungen. Jesper mit der legendären Ansage “Wollen Sie den ganzen Tag mit mir schlafen?” als Ansage für “Sleeping my day away” und Stig mit Bässen, die… Nunja… Stigs Bässe halt. Und weil esgerade so gut war, wollte Stephan das am Abend fortsetzen. Und es war wieder schwülwarm wie Hölle, im ersten Stock stand die Luft und Erstickungsanfälle drohten allenthalben. Und es war so glitschig, dass Stephan in Ekstase sein Mikro im Bühnengraben versenkt hat, um sich anschließend auf die Suche nach ihm zu machen. Und dann war da noch dieser Typ, der auf einmal auf der Bühne stand, um Stephan zu umarmen. Das gabs zuletzt in… Na, wer erinnert sich? In Wacken 2004, genau. Hamburg musste, trotz für die Hansestadt guter STimmung wieder auf “Dancing with myself” verzichten, weil ja heute die DVD-Produktion anstand, für die die allerallerletzten Kräfte mobilisiert werden mussten. Und es war gut so, so viel sei heute schonmal gesagt. Stephan landete nach der Show noch mit diversen Dänen und wichtigen Leuten aus dem Umfeld auf ein paar Absacker im Hotel, Details sind nicht überliefert. Vielleicht besser so…

21.04. - Kiel, Halle 400

23.04.2009

Es gibt so Tage, da geht einem nichts so recht von der Hand. Man kommt nicht aus dem Quark und schafft einfach nichts. So ein Vertreter war unser Day-off in Kiel. Morgens vor dem Hotel völlig verstrahlt aus dem Bus stolpern, weil in Bremen einer jener auf dieser Tour seltenen Tage war, an denen man mal mehr als ein Feierabendbierchen genommen hat. Und so saßen Micha Mainx und ich zusammen mit Troels, dem langjährigen D-A-D Tourmanager, in der Lounge des Bandbusses und diskutierten über alte Zeiten, die Anfangstage von D-A-D und die Onkelz. Wie manche von euch wissen - weil wir es auch zugegeben selten versäumen zu erwähnen - waren D-A-D mal richtige Superstars und sind es in ihrer Heimat unbestritten immernoch. Die Bühnendesigns sind legendär (man erinnere nur das gigantische hydraulisch neigbare Sofa Anfang der Neunziger) und mit “Sleeping My Day Away” hat man einen Hit im Repertoire, den jeder Mensch kennt, der jemals in seinem Leben eine Rock-Disse betreten hat. Will sagen: Kult. Und weil man inzwischen 25 Jahre weltweit unterwegs ist, kann man den nördlichen Nachbarn uneingeschränkt Geschmackssicherheit und ein gesundes Einschätzungsvermögen attestieren. Wenn also einer wie Troels sagt, dass Stephan ein großer Künstler sei und er noch nie ein Publikum mit solcher Hingabe an den Lippen des Sängers hat hängen sehen, wie jenes auf dieser Tour, dann ist das ein Wort von Gewicht. Man darf sich also geadelt fühlen, wenn man mit dieser Tour irgendetwas zu tun hat - auch, wenn es etwas kleiner zugeht als gewohnt. Troels wollte wissen, woher diese enge Verbindung zwischen Band und Fans herrührt und was zur Hölle Stephan da singt. Klar, beides gehört ganz eng zusammen, also haben wir ihm mal eine Lausitz-DVD geschenkt. Die hat ja die englischen Untertitel. ich bin gespannt, ob daraus deutlich wird, woher der Wind weht.

Zurück zum Anfang: Verstrahlt aus dem Bus ins Hotel stolpern, da erstmal bis zum frühen Nachmittag weiter pennen und dann so gaaaanz langsam mal ein bisschen in die Sonne, ein bisschen Wäsche und Einkäufe erledigen und abends lecker was essen gehen. Wie es der Zufall wollte, sind wir mit Henning, JC und Micha in einem Steakhouse direkt an der Halle 400 gelandet und haben uns einen kleinen Vorgeschmack geholt.

Eine etwas seltsame Location mit einseitigem Balkon, zwergenhafter Bühne aber dafür einem geräumigem Backstagebereich. Und das ist auch etwas sehr wertvolles, wie wir auf dieser Tour lernen durften. Durch den Zusammenbruch des T-Mobile-Netzes herrschte den ganzen Tag nach außen ein bisschen Funkstille und außer mir - der ich E-Plus-Kunde bin - hatten alle ihre Schwierigkeiten. Ein Triumph, stehe ich doch unter dem Verdacht, nie erreichbar zu sein. Jetzt, als Monopolist hat sich das Blatt für einen Tag gewendet. Innerer Reichsparteitag und die Kommunikationshoheit. Ein Hoch auf die Finnen. Apropos “Finnen”: Unsere Dänen mussten den halben Tag auf Drummer Laust warten, der in Bremen versackt war und mit reichlich Verspätung wieder aufgetaucht ist. Aber die Jungs sind echte Profis, deshalb hielten sich die Sorgen in Grenzen. Gespielt wird am Ende immer.

Stephan berichtete nach seiner Ankunft von einem erholsamen Wellness-Tag in Bremen, begrüßte Freunde und war guter Dinge ob des abendlichen Einsatzes. Wie ihr wisst sagt Stephan D-A-D immer unter großem Beifall an, was der Band gleich einen Heimvorteil verschafft. Die hatten übrigens überlegt, ob sie auf dieser Tour die Gelegenheit nutzen sollten, “Sleeping My Day Away” mal aus dem Set zu schmeißen. Für die Jungs ist das ihr “Mexico”, das sie daheim Abend für Abend spielen müssen, sonst gehen die Leute nicht nach hause. Bisher ist es aber zum Glück noch drin, denn die Nummer ist mit dem gigantischen Solo einfach ein Hit, der die besten Resonanzen erntet. Weil ein paar Leute es wissen wollten, hier die Setlist der Vier:

Intro
Isn´t that wild
Beautiful Together
Jihad
Making fun of money
Everything Glows
Money always takes the place of life
Reconstrucdead
Sleeping my day away
Monster Philosophy

Stephan dann hat - im Schatten des Pokalhalbfinals - einen sehr routinierten Gig abgerissen. Solide gerockt, es stand alles ein wenig im Zeichen der Tempoaufnahme, des Wiederreinkommens. Durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit auf der Bühne war an Durchdrehen nicht zu denken, aber das Gute ist: Auch wenn man routiniert rockt, kommt das Publikum trotzdem voll auf seine Kosten und honoriert das entsprechend. Was war also Kiel? Ein gutes Konzert ohne nennenswerte Zwischenfälle. Nette Leute, nette Stimmung, erfreulicher Durchschnitt. Und Durchschnitt ist etwas Gutes auf dieser Tour. Und vor allem: Sauber konstruierte Barricades und kein bröckelnder Putz. Statt Stephan durfte nach der SHow komischerweise die Helfercrew Autogramme schreiben, auf den Headliner hat kaum noch jemand gewartet. Wurde aber auch frisch dann irgendwann. Oder habe ich das wartende Volk schlicht übersehen und Stephan hat hinter meinem Rücken das Volk befriedigt? Egal.

Danke Kiel, wir sind wieder drin.

19.04. - Bremen, Aladin

21.04.2009

Okay, erstmal sorry für die Verspätung, aber gestern war der Tag der körperlichen Renovierung und schwere Offline-Zeit. Deshalb erst jetzt ein Bericht, während Stephan hier in Kiel schon seit einer halben Stunde auf der Bühne steht. Nochmal zurück nach Bremen.Im Aladin macht ja nun so ziemlich jede Tour dieser Größenordnung Halt und eigentlich muss man sich fragen, warum. Die Bühne hat Daumenkinoformat, der Zuschauerbereich gleicht durch diverse Ebenen, Bars und Barrikaden einem Klettergarten. Eine Alternative gibt es in Bremen allerdings nicht und man will den Norden ja auch angemessen bespielen. So schlimm ist es dann allerdings auch nicht, denn mit diesen netten Balkönchen und Nischen herrscht doch auch immer eine stimmungsvolle Atmosphäre. Was man an der einen Seite abzieht, kann man auf der anderen wieder drauf packen und also kann man am Ende reinen Gewissens sagen: Aladin? Machen wir!

Stephan war durch die voran gegangene Mini-Serie an Konzerten doch schon ein wenig angeschlagen stimmlich, dazu ein bisschen Knie und ein bisschen Heuschnupfen. Alles keine tollen Voraussetzungen, aber beim letzten Gig vor einem Off-Day ist es einfacher, nochmal alle Kräfte zu mobilisieren. Und dann gibt es ja noch diese Vibes, die stimulierend durch so eine Crew wabern und für Energie bei Künstlern und Technikern sorgen. Gute Stimmung trägt weiter, als man denkt. Und das Ergebnis einer solchen Entwicklung stelle ich euch heute mal weltexklusiv vor, weil es mir gelungen ist, ein Tondokument unter konspirativen Umständen aus dem Crewbus zu schmuggeln. Man muss ein wenig ausholen: Der Fahrer des Crewbusses heißt Thomas und ist Schwede. Aber weil es sich beim W um eine deutsche Produktion handelt, muss deutsch gesprochen werden. Ansage von ganz oben. Nur manchmal klappt das einfach nicht und das Ergebnis ist ein witziger Kauderwelsch, in dem jeder alle Worte zusammen schmeißt, die er in der jeweils anderen Landessprache zu kennen glaubt. Oder diese wenigstens der Landessprache des anderen zuordnen kann. Thomas Hess ist darin Fachmann und also ist das meistgebrauchte Wort im Crewbus “Smörebröd”. Die volle Entwicklung der spaßigen Auseinandersetzung in einzelnen Schritten zu dokumentieren, würde jetzt den Rahmen sprengen. Ich hoffe, dass ihr an dem Stück Musik (Komposition: Jochen Mehling (Ruperts Backliner), Gesang: Thomas Hess) trotz diverser Crew-Witze auch euren Spaß habt.

Smörebröd Song

Sowas wird hier noch zwischendrin produziert, wenn alles verladen ist und alle Mann auf den Bussen sind.Stephan musste aufgrund einer kleinen Schlägerei vor der Bühne erstmals auf dieser Tour einen Song unterbrechen, um die Gemüter zu beruhigen, was dazu führte, dass die Band noch einmal mitten in “Pass gut auf dich auf” einsteigen musste. Quasi direkt ins Gitarrenduell zwischen Dirk und Rupert fiel das Break, da gings dann auch weiter. Wirklich schlimm wars allerdings nicht. Die Nerven waren nach Osnabrück vielleicht auch schon ein wenig angekratzt. Die Zu-Zugabe musste erstmals wegen stimmlicher Probleme ausfallen, weswegen dann tatsächlich nach “Pass gut auf dich auf” Schluss war.Fazit: Gott sei Dank war gestern dann frei und der bedrohliche Trend gestoppt. Keine Verletzten, keine Vollkatastrophen. So biegt die Tour voller Euphorie auf die Zielgeraden ein. Und so, wie gerade der Eindruck ist, sind wir jetzt wieder in voller Fahrt. 

D-A-D - Monster Philosophy

21.04.2009

Aus gegebenem Anlass und weil immer wieder Fragen kommen:

Die aktuelle D-A-D bekommt man hier und hier. Oder aber auch im gut sortierten Plattenhandel.

Der W auf dem Rock Head Festival

21.04.2009

Neues Festival: Der W wird im Juni das “Rock Head Festival” in Mainz headlinen. Zusammen mit U.D.O., Primal Fear, Dezperadoz und anderen wird er am 13.6. auf dem Messegelände konzertieren. Tickets gibt es zum Preis von 36,10 Euro auf www.metaltix.de.